Der äußere Baukörper

Über dem Hauptportal der Kirche befindet sich ein Dreieck mit einem Auge, das sogenannte Gottesauge. Es wölbt sich plastisch wie eine Sonne, die von Wolken umrahmt ist, nach vorn. Das gleichseitige Dreieck mit einem Auge und Strahlenkranz hat seit dem 17. Jahrhundert als Symbol des dreieinigen Gottes Eingang in die Ornamentik der Kirchen gefunden. Es begegnet außen wie innen.

 

Am äußeren Rand des Gottesauges findet sich das jugendstilgemäße Schneckensymbol. Es findet sich ungezählte Male wieder. Das rötliche Granitrondell vor dem Hauptportal ist bereits so gestaltet, die Fensterrahmen und Stühle der Kirche, die Orgelbekrönung nehmen es auf.

 
Die asiatische Kunst war für die Kunst des Jugendstils von grundlegender Bedeutung. Mit dem Schmuckornament über dem Turmeingang hat der Bildhauer Hans Schmidt dieser Verwandtschaft Ausdruck gegeben. Zu sehen ist eine Lotosblüte (Seerose), die aus einem Füllhorn heraus wächst. Die Seerose, die auf sumpfigem Grund eine reine, „unbefleckte“ Blüte hervorbringt, ist in der buddhistischen Frömmigkeit ein spirituelles Symbol.
 
Von der Ostseite aus ist ein weiterer Gruß an den Fernen Osten zu sehen. Das Hauptdach und ein eigens geschaffenes Dachgesims darunter sind so zueinander geordnet, dass optisch ein Pagodendach entsteht (was aus heutiger Sicht hinsichtlich der Wartung alles andere als eine „nachhaltige“ Konstruktion ist)
 
Wozu zählt der Außenkörper der Hoffnungskirche? Welchem Baustil ist die Kirche in ihrem äußeren Erscheinungsbild zuzuordnen? Die erste stilistische Einordnung gab der Architekturhistoriker Walter Curt Behrendt ein Jahr nach der Weihe der Kirche im Jahr 1913. Er erkennt an ihr „eine Anlehnung an die Formgebung … friderizianischer Baukunst“. Richard Hamann legte in seinem Standardwerk die „Geschichte der Kunst“ von 1932 dar, dass in den Bauwerken, die ab 1909 entstanden, „das klassizistische Element einer mit Säulen- und Pilasterfassaden-Architektur“ vorherrschte.  Klaus Schultes These in seiner Promotion über den Kirchenbau von 1906-1918, mit der er 1992 promovierte, lautet, dass sich „im Kirchenbau vor allem ein am Klassizismus orientierter Monumentalstil“ durchgesetzt hatte. 

Gestützt auf diese und andere Fachexperten der Baustilkunde, stellen wir fest, dass die  Hoffnungskirche eine Kirche des Spätklassizismus ist, in die sowohl am Außenkörper als auch vor allem im Innenraum Elemente des sakralen Jugendstils einbezogen wurden.

Spätklassizismus ist eindeutig an der Süd- und Ostseite zu erkennen, wo optisch die Wände mit Säulenimitaten (Pilastern) versehen wurden. Die Fenster wurden betont schmal gehalten, sind lang gestreckt und bringen so eine vertikale Dimension ein. Allbeherrschend ist außen und innen das klassizistische Prinzip der geometrischen Symmetrie.