Die Figurengruppe auf der Attika

Um die Westseite mit dem Hauptportal und die Figurengruppe auf dem Dach zu betrachten, ist es sinnvoll, einen gewissen Abstand zu nehmen, etwa von den beiden Robinien aus, die am Rand der Trelleborger Straße stehen. Das Dach, ein Walmdach, hat die Form eines Dreiecks. Dieses hat der Bildhauer Hans Schmidt mehrfach in seiner Figurengruppe aufgenommen. Zieht man eine gedachte Linie von den Engelsköpfen oder von Paulus und Luther weiter, entstehen unsichtbare Dreiecke. Auf einem eigens geschaffenen Gesims, der Attika, steht in der Mitte eine Christusskulptur, eng umrahmt von zwei Engeln. Links, von dem noch neu aussehenden Engel mit dem Kelch, steht Paulus mit dem Schwert, rechts neben dem Engel, der voller Enthusiasmus zu Christus aufschaut, Luther mit der Faust auf der Bibel. Die Attika- Gruppe ist kunstgeschichtlich als eine „Majestas-Christi-Gruppe“, eine Christus-Verherrlichungsgruppe, anzusehen. Sie hat einen hohen Denkmalswert. Im Jugendstil wurden selten große Skulpturen wie diese geschaffen.

Christus ist, wie oft in den Bögen über den Westportalen der gotischen Kirchen, den Tympana, hier innerhalb einer Attikagruppe, segnend, nicht richtend, dargestellt. Die herab fallenden, langen Haare, das klare Gesicht verleihen ihm Ruhe und Gelassenheit. Er hat die Schlange, die sich um seinen Körper windet, fest in der Hand. Sie windet sich nach unten.

Der Engel zwischen Christus und Paulus hat einen Kelch.  Um dessen Kostbarkeit zu unterstreichen, hält er schützend eine Hand über ihn. Er ist betont weiblich gestaltet, ein Mädchen an der Schwelle zu einer jungen Frau. Er ist kein Kind und kein Putto. Sein Gesicht ist geprägt von Frieden und Gelassenheit. Er blickt in die gleiche Richtung wie die segnende Christushand ausgestreckt ist.

Der ursprüngliche Attikaengel fiel vermutlich während der Straßenkämpfe um die Hoffnungskirche 1945 herunter. Dank der Spenden der Gemeinde und der Anwohner in Höhe von 28.000 € wurde er nach den alten Entwürfen bildhauerisch von Renate Wiedemann neu geschaffen und 2002 von Bischof Huber wieder eingeweiht.

 

 

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